Venture Capital

Venture Capital Finanzierung für junge Unternehmen

3.4 Die aktuelle Situation auf dem Venture Capital Markt und die Chancen für junge Unternehmen, Kapital auf diesem Wege zu akquirieren

Nachdem im Jahr 2003 der zwischenzeitliche Tiefpunkt bei den jährlichen Venture Capital-Investitionen erreicht worden war, setzte am Markt eine langsame Erholung ein, die bis heute andauert. 2005 beliefen sich die Investitionen bereits wieder auf rund 1,3 Mrd. Euro, bis zum Ende des dritten Quartals 2006 lagen die Venture Capital-Investitionen nahezu auf Vorjahresniveau.

Bemerkenswert ist allerdings eine erhebliche Verschiebung vom Early-Stage-Segment hin in den Later-Stage-Bereich. Der Anteil der Frühphaseninvestitionen ging kontinuierlich zurück und machte 2005 nur noch etwa 23% der Venture Capital Investitionen aus. Dieser Trend setzte sich auch 2006 weiterhin fort.[41]

Als Grund für die zurückhaltenden Investitionen im Early-Stage Bereich lassen sich die Erfahrungen der Venture Capital Gesellschaften in den Jahren nach dem Zusammenbruch der „New Economy“ anführen. Im Jahr 2003 betrug der Anteil der Totalverluste am Exit-Volumen 42,3% und bei den traditionell risikoreicheren Early-Stage-Finanzierungen sogar fast 71%. Dies führte besonders bei den bislang auf Frühphasenfinanzierung ausgerichteten Venture Capital Gesellschaften, so sie denn noch auf dem Markt vertreten sind, zu einem strategischen Umdenken.[42] Die Bereitschaft, riskante Investitionen zu tätigen, nahm ab, insbesondere Seed-Finanzierungen gingen deutlich zurück. 2005 wurden gerade noch 6,6 Mio. Euro in die Umsetzung von Unternehmensideen investiert.[43] Dagegen rückten etablierte Unternehmen in der Expansionsphase mehr und mehr in den Fokus der Venture Capital Gesellschaften. Diese Finanzierungslücke im Seed-Segment wurde auch von der Politik erkannt. Im Jahr 2005 bzw. 2004 wurden mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zum Beispiel der High-Tech Gründerfonds sowie der ERP-Startfonds aufgelegt, die sich auf die Finanzierung von Existenzgründungen von Technologieunternehmen spezialisiert haben.

Auch bei den Branchen, in die investiert wurde, gab es signifikante Veränderungen. Vereinnahmten in dem Boomjahr 2000 die Branchen Computersoftware, Kommunikationstechnologie und Biotechnologie noch fast die Hälfte der Venture Capital-Investionen für sich,[44] so gewinnen nun auch traditionelle Branchen wie die Rohstoffbranche, die Energiebranche und die Medizinbranche an Bedeutung.[45] Im Early-Stage Bereich hingegen ist dieser Trend bislang noch nicht spürbar. Hier bleibt es dabei, dass Early-Stage Venture Capital weiterhin vor allem in technologieorientierte Unternehmen fließt. Im Jahr 2005 erhielten junge Unternehmen der Branchen Kommunikation, Computer, Biotechnologie und Medizin etwa drei Viertel aller Early-Stage-Investitionen.[46]



Es bleibt also festzuhalten, dass es zur Zeit für junge Unternehmen schwierig ist, Geld über den Venture-Capital-Markt zu akquirieren. Nach den schlechten Erfahrungen zu Beginn des Jahrtausends mit vielen Totalverlusten achten Venture Capital Gesellschaften wieder verstärkt auf fundamentale Unternehmensdaten. Im Vergleich zur Boomphase wird nun nicht mehr blind in alles investiert, was in irgendeiner Weise mit „Hightech“ in Verbindung gebracht werden kann. Es wird überwiegend „auf greifbaren „Content“ in Form eines möglichst weit entwickelten Produktes“[47] geachtet. Der immer noch junge Venture Capital Markt ist insgesamt reifer geworden.[48]

Es findet eine stärkere Selektion bei den Investitionen statt, nur die vielversprechendsten Unternehmensideen haben eine Chance auf Venture Capital.[49] Für junge Unternehmen bedeutet dies, dass sie noch mehr Wert auf einen aussagekräftigen Businessplan, der als Aushängeschild des Unternehmens gilt und Grundlage für die Bewertung durch die Venture Capital Gesellschaften ist, legen müssen.

Das Merkmal „innovativ“ bei Unternehmenskonzepten junger Unternehmen spielt weiterhin in Bezug auf Venture Capital eine große Rolle. Unternehmen aus den Branchen Kommunikation, Computer, Biotechnologie und Medizin sind hier deutlich im Vorteil gegenüber traditionellen Branchen.

[41] Vgl.: BVK: Teilstatistik, a. a. O.

[42] Auf Frühphasenfinanzierung spezialisierte Venture Capital Gesellschaften sind deutlich jünger als Spätphasenspezialisten. Durch die geringere Markterfahrung und die Überbewertung von Einstiegspreisen in den Boomjahren 1998 bis 2000 wurden die Frühphasenspezialisten besonders hart vom Platzen der „New Economy“-Blase getroffen, was auch zum Ausscheiden einiger Venture Capital Gesellschaften aus dem Markt geführt hat. Vgl.: Achleitner, Ann-Kristin et al.: Der deutsche Beteiligungsmarkt: Entwicklung der Anbieterstruktur, in: Finanz-Betrieb, Düsseldorf 2006, 8. 2006, 7-8., S. 440-449, S. 443 (im Folgenden zitiert als: Achleitner, Ann-Kristin et al.: Anbieterstruktur).

[43] Zum Vergleich: Im Jahre 2000 wurden 388 Mio. in Unternehmen der Seed-Phase investiert. Vgl.: BVK: Teilstatistik, a. a. O., S. 9.

[44] Vgl.: BVK: BVK-Statistik. das Jahr 2000 in Zahlen, Berlin 2001, S. 30.

[45] Auf die Rohstoff-, die Energie- und die Medizinbranche fielen im Jahr 2005 bereits 25% der Bruttoinvestitionen, während die Computer-, die Kommunikations- und die Biotechnologiebranche gerade noch 23% der Investitionen erhielt. Vgl.: BVK: BVK Statistik. Teilstatistik – Venture Capital 2005, Berlin 2006,
http://www.bvk-ev.de/pdf/147.pdf, S. 9.

[46] Vgl.: BVK: BVK Statistik. Teilstatistik – Early stage-Venture Capital 2005, Berlin 2006, http://www.bvk-ev.de/pdf/146.pdf, S. 4.

[47] Vgl.: Weitnauer, Wolfgang: Lessons learnt: Venture Capital in Deutschland – eine Bestandsaufnahme, in: Venture Capital: das Magazin für Investoren und Entrepreneure, Wolfratshausen, 7. 2006, 7., S. 36-37, S. 36.

[48] Vgl.: Achleitner, Ann-Kristin et al.: Anbieterstruktur, a. a. O., S. 448.

[49] In einer Befragung der BVK-Mitglieder 2005 stellte sich heraus, dass im Durchschnitt nur 1% der Anfragen bei auf die Frühphase spezialisierten Venture Kapital Gesellschaften zu einem erfolgreichen Deal führte. Zum Vergleich betrug dieser Anteil bei Spätphasenspezialisten immerhin 10%. Vgl.: Achleitner, Ann-Kristin et al.: Der deutsche Beteiligungsmarkt: Entwicklung des Anbieterverhaltens, in: Finanz-Betrieb, Düsseldorf 2006, 8. 2006, 7-8., S. 538-548, S. 539 (im Folgenden zitiert als: Achleitner, Ann-Kristin et al.: Anbieterverhalten).
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