Venture Capital

Venture Capital Finanzierung für junge Unternehmen

3.5.2 Nachteile von Venture Capital aus Unternehmersicht

Der Hauptnachteil einer Venture Capital Beteiligung aus Sicht der Unternehmer ist, dass das Unternehmen nach einer Beteiligung nicht mehr vollständig den Gründern gehört. Auch wenn in den meisten Fällen die Venture Capital Gesellschaft nur eine Minderheitsbeteiligung eingeht, so erhält sie doch vertraglich vereinbarte Kontroll- und Mitspracherechte. Dies muss zwar nicht unbedingt nachteilig für das Unternehmen sein, auf jeden Fall aber verlieren die Unternehmensgründer ihre uneingeschränkte Entscheidungsgewalt und sind nicht mehr die alleinigen „Herren im Hause“.

Mit dem einhergehend ergeben sich Anreizprobleme für die Unternehmensgründer. Während bei der Fremdfinanzierung das Risikoanreizproblem auftritt, wodurch Unternehmer eher zu einer riskanteren Geschäftspolitik neigen, spielt bei der Eigenkapitalfinanzierung das Problem eines verminderten Arbeitseinsatzes seitens der Unternehmer eine Rolle. Durch die Beteiligung verringert sich der unternehmerische Erfolgsanteil. Damit sind für den Unternehmer die Anreize geringer, hart zu arbeiten, da er nicht den gesamten Gewinn für sich behalten kann. Dies hat einen negativen Einfluss auf die Arbeitsmotivation und damit auch auf den Erfolg der gesamten Unternehmung.[53]

Weiterhin müssen auch steuerliche Aspekte bei der Wahl der Finanzierungsart miteinbezogen werden. Vergleicht man eine Venture Capital Finanzierung mit einer reinen Fremdkapitalfinanzierung über Kredite, so ergibt sich, dass Zinszahlungen aus Dauerschulden unter Beachtung der Ausführungen in § 8 GewStG und § 8a KStG steuerlich als Betriebsausgaben gelten. Sie mindern also das zu versteuernde Einkommen des Unternehmens. Dies ist bei den Gewinnausschüttungen an die Venture Capitalisten gemäß § 8 Abs. 3 KStG nicht möglich.

Ein weiterer Nachteil kann sich bei der Verlustverrechnung ergeben. Mit der Verlustverrechnung ist es möglich, Verluste aus früheren Jahren vorzutragen und mit Erträgen aus späteren Jahren zu verrechnen, um den zu versteuernden Gewinn zu mindern. Zu beachten ist dabei allerdings die in § 8 Abs. 4 KStG und § 10 d EStG geregelte Einschränkung, dass die rechtliche und wirtschaftliche Identität der Körperschaft, die die Verluste erlitten hat, mit derjenigen übereinzustimmen hat, die die Verluste in Abzug bringen möchte. Dies ist dann nicht mehr der Fall, wenn der von einer Venture Capital Gesellschaft an einem Unternehmen erworbene Anteil mehr als 50% beträgt. Bei einer Mehrheitsbeteiligung ist also kein Verlustvortrag möglich.[54]

LL.M. Business Law

[53] Vgl.: Breuer, Wolfgang: Finanzierungstheorie, Wiesbaden 1998, S. 154 ff.

[54] Vgl.: Möller, Matthias: BB-Forum: Förderung von Private-Equity und Venture Capital durch geplante Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen, in: Betriebs-Berater, Frankfurt am Main 2006, 61. 2006, 18., S. 971-974, S. 972.
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